Wie man aus Versehen ein Buch schreibt
- Sophie Fuchs
- 21. Feb. 2020
- 3 Min. Lesezeit
Hallo Zusammen,
In meinem ersten Beitrag möchte ich mich der Frage widmen, mit der all das hier begonnen hat. Es ist eine Frage, die ich mir überraschenderweise selbst stellen musste: "Warum habe ich eigentlich ein Kinderbuch geschrieben?" Überraschend war das für mich, da ich eigentlich lieber Fantasy Bücher schreibe.
Ups!

Bücher und Geschichten haben seit jeher mein Leben bestimmt und als Kind habe ich nahezu jedes Buch verschlungen, das ich in die Finger bekam. Es ging sogar so weit, dass ich mit acht Jahren schlussendlich das komplette Regal meiner Eltern durchgelesen hatte und mindestens zweimal pro Woche Gast in der Bibliothek war.
Damals war mir schnell klar, dass nur das Lesen allein, mir nicht ausreichen wird. Ich wollte die Geschichten selbst entwickeln und all das aufschreiben, was ich in meinem Kopf hatte, um es für die Nachwelt aufzubewahren. Man merkt, dass ich bereits damals ein gesundes Selbstbewusstsein hatte. Vereinzelt hört man Stimmen über Größenwahn munkeln.
Meine erste Geschichte habe ich dann mit fünf Jahren mehr oder weniger selbst geschrieben und illustriert. Es hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich seitdem jedes Jahr anlässlich des Geburtstags meines Opas, der im Übrigen mit Abstand mein größter Fan ist, eine Geschichte verfasst habe. Er war derjenige, der meiner Fantasie immer großzügig Platz eingeräumt hat. Jeden Sonntag holte er mich ab, um dann durch die Stadt zu wandern und sich meine Geschichten anzutun. Er ist vermutlich der einzige Mensch, der sich mindestens einmal pro Woche, zwölf Jahre lang, ein Ohr hat abkauen lassen. Nun ist er also ein ohrloser Opa.
Zusammengefasst hatte ich also immer schon einen Hang zum Schreiben und Erzählen. Einen Beruf habe ich aber nie daraus gemacht und nach dem Abitur wurde das Geschreibe lieber in meine wenige Freizeit verlegt.
Trotzdem habe ich es geschafft mein erstes Fantasy Buch im Jahr 2017 zu beenden. Leider konnte ich es nicht bei einem Verlag unterbringen. Obwohl es mir immer noch sehr am Herzen liegt, werde es aber erstmal ein bisschen „reifen“ lassen, bis ich es noch einmal komplett überarbeite. Enttäuscht wie ich also war, habe ich anschließend erstmal gar nichts gemacht und auf einen Moment der Erleuchtung gewartet, um mit der nächsten Idee fortfahren zu können. Die kam dann auch, allerdings anders, als ich es erwartet habe. Es sei dazu gesagt, dass mir meine Ideen eigentlich immer in den gleichen Momenten einfallen: mir ist langweilig. Genauer gesagt, ist meinem Kopf langweilig. Genauso habe ich auch mit Jotta angefangen. Es war Winter, es war kalt und es war trist im Büro. Ich habe einfach die Augen zu gemacht und mich an einen anderen Ort gewünscht. In diesem Moment war es meine Wohngegend im Sommer. Es hat sich so wunderbar angefühlt, dass ich begonnen habe, es nieder zu schreiben.

Am meisten liebe ich am Schreiben, dass ich am Anfang eines Textes noch nicht weiß, wie er endet. Ich weiß meistens nicht einmal, wie der Satz enden wird. In der Regel schreibe ich einfach los und lasse mich von der Handlung überraschen. Wie das geht, weiß ich selber nicht, aber es funktioniert es in meinem Kopf.
Als ich mich so fortgedacht habe, kam plötzlich ein junges Mädchen mit einem Hund vorbeigeradelt. Ich kann gar nicht mehr sagen, warum, aber ich glaube, ich habe in dem Moment gerade meine kleine Schwester vermisst. Zugegeben, Jotta ist ihr irgendwie auch ziemlich ähnlich.
Ich habe dann erstmal nur zwei, drei zusammenhangslose Szenen niedergeschrieben, die ich anschließend wieder zur Seite legte. Eine Figur ohne Geschichte war geboren. So verging ein halbes, unproduktives Jahr und als der Sommer kam, ging es meiner Oma gesundheitlich sehr schlecht, was meinen Opa unglaublich belastet hat. In einer spontanen Eingebung, wie es für mich ziemlich typisch ist, habe ich ihm einfach wortlos diese alten Szenen geschickt.
Noch heute bedankt er sich dafür, dass ich es ihm ermöglicht habe, sich in seiner Vorstellung mit Jotta auf das Fahrrad zu schwingen, während er im Krankenhaus saß. Von dort an verging keine Woche, in der er nicht nach neuem Stoff von Jotta fragte. Je nach Laune hatte ich auch etwas zu präsentieren. Und so wuchs schließlich die Geschichte Stück für Stück zusammen, bis es diese Buchfassung wurde. Das erste fertige Manuskript habe ich dann meinem Opa an Weihnachten geschenkt und an seinem Geburtstag konnte ich das Buch tatsächlich veröffentlichen. Abschließend kann man sagen, dass ich dieses Buch eigentlich gar nicht habe schreiben wollen. Doch die Figuren, die ich entwickelt habe, haben sich einfach in mein Herz geschlichen, sodass ich ihnen eine Bühne geben wollte.
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